Die Geschichte der Pfannkuch Supermärkte (1896–1998)
Die Pfannkuch Supermärkte gehören zu den faszinierenden Kapiteln der deutschen Einzelhandelshistorie: ein Unternehmen, das aus einem kleinen Tante-Emma-Laden entstand und über ein Jahrhundert lang den Lebensmittelhandel in Süddeutschland mitprägte – bis zur Übernahme durch die Spar Handelsgesellschaft 1998.
Die Anfänge: Ein Laden mit Vision (1896–1920)
Alles begann am 8. Februar 1896, als der Lebensmittelkaufmann August Pfannkuch in Pforzheim-Brötzingen seinen ersten Laden eröffnete – noch im klassischen Stil eines Tante-Emma-Ladens. August hatte zuvor bei der Firma Latscha gearbeitet, die ihn bei seinem Start als Geldgeber unterstützte.
Schnell folgten weitere Filialen, die den Grundstein für ein expandierendes Geschäftsnetz legten. Bereits im frühen 20. Jahrhundert wurde ein erstes Zentrallager gebaut und das Unternehmen begann, sich als regionaler Lebensmittelanbieter zu etablieren.
Wachstum im 20. Jahrhundert: Selbstbedienung und neue Formate (1920–1980)
Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm eine neue Generation die Führung, und selbst schwere Zeiten wie der Zweite Weltkrieg konnten die Expansion nicht dauerhaft stoppen – auch wenn Hauptverwaltung und Lager zerstört wurden und Filialzahlen stark sanken.
In den 1950er Jahren vollzog Pfannkuch einen wichtigen Modernisierungsschritt: 1952 öffnete der erste Selbstbedienungssupermarkt in der Kaiserstraße in Karlsruhe. Dieses Format wurde zum Standard für moderne Märkte.
In den späten 1960er und 1970er Jahren setzte die Unternehmensgruppe zunehmend auf Diversifikation und neue Konzepte:
- Disco-Supermärkte – Discountformat seit 1967 in Bruchsal;
- KaufPark-SB-Warenhäuser, später als Kolossa bekannt;
- bon apetít-Märkte – weitere Vertriebslinie.
Parallel dazu wurde 1980 eine neue Firmenzentrale in Karlsruhe eröffnet und die Zahl der Pfannkuch-Filialen wuchs auf über 200 mit mehr als 4 000 Beschäftigten an.
Herausforderungen und Konkurrenzkampf (1980–1997)
Mit wachsendem Erfolg stieg auch der Druck im Lebensmittelhandel. Große Discounter, neue Wettbewerber und ein sich wandelndes Konsumverhalten führten zunehmend zu strategischen Problemen:
- Investitionsbedarf für Modernisierung und Wettbewerbskraft
- Expansion in die neuen Bundesländer nach der Wiedervereinigung
- Kritik an unterlassenen Zukunftsinvestitionen
Trotz eigener Vertriebsgesellschaft in Sachsen blieben Rendite und Marktanteile unter den Erwartungen.
Verkauf an Spar (1997–1998)
1997 begann die entscheidende Phase: Nach Verkaufsverhandlungen mit mehreren Interessenten – darunter auch EDEKA – sicherte sich Spar Handelsgesellschaft AG die Übernahme der Pfannkuch Unternehmensgruppe mit ihren rund 212 Märkten zum 1. Januar 1998.
Spar plante, die Pfannkuch-Märkte in seine Vertriebsformen SPAR, INTERSPAR und EUROSPAR zu integrieren. Die Übernahme galt als großer Schachzug, um die Marktposition im Südwesten Deutschlands zu stärken.
Doch der Übergang verlief nicht ohne Reibung:
- Einige Märkte wurden bereits kurz nach der Übernahme geschlossen;
- Die Zentrale in Karlsruhe wurde stillgelegt, und rund 400 Mitarbeiter verloren ihre Stelle;
- Spar stieß auf logistische und administrative Hürden bei der Integration der neuen Standorte.
Bis 1999 waren alle Pfannkuch-Filialen entweder in das Spar-System integriert oder vom Markt verschwunden, und die Pfannkuch Unternehmensgruppe wurde vollständig aus dem Handelsregister gelöscht.
Fazit: Eine Ära im deutschen Einzelhandel
Über 102 Jahre prägte Pfannkuch mit seinen Supermärkten und innovativen Handelsformaten die regionale Handelslandschaft – vom klassischen Tante-Emma-Laden zur modernen Supermarktkette. Doch die zunehmende Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel, steigende Konkurrenz und strategische Herausforderungen führten letztlich zum Ende als unabhängiges Unternehmen.
Die Übernahme durch Spar 1998 markiert nicht nur das Ende einer lokalen Tradition, sondern steht auch exemplarisch für die Dynamik und Konsolidierung im deutschen Einzelhandel des späten 20. Jahrhunderts.


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