Kaum ein Unternehmen hat die deutschen Innenstädte über so viele Jahrzehnte geprägt wie Kaufhof. Was 1879 als kleines Textilgeschäft an der Ostsee begann, entwickelte sich zu einem der größten Warenhauskonzerne Deutschlands. Generationen von Menschen kauften hier Kleidung, Haushaltswaren, Spielzeug oder Weihnachtsgeschenke. Kaufhof war nicht einfach nur ein Geschäft – für viele gehörte das Warenhaus zum festen Bestandteil eines Stadtbummels.
Doch aus dem einst erfolgreichen Handelsunternehmen wurde im Laufe der Jahrzehnte ein Sanierungsfall. Fusionen, Eigentümerwechsel, der zunehmende Onlinehandel und ein verändertes Einkaufsverhalten setzten dem Konzern zu. Auch die Zusammenlegung mit dem langjährigen Konkurrenten Karstadt brachte nicht die erhoffte Rettung.
Besonders dramatisch entwickelte sich die Situation ab 2020. Innerhalb von nur sechs Jahren musste der Warenhauskonzern gleich viermal Insolvenz anmelden. Tausende Beschäftigte verloren ihre Arbeitsplätze, zahlreiche traditionsreiche Kaufhäuser wurden geschlossen und ganze Innenstädte mussten sich von jahrzehntelang vertrauten Einkaufsmöglichkeiten verabschieden.
Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen?
1. Die Anfänge: Ein kleines Geschäft wird zum Warenhauskonzern (1879–1945)
Die Geschichte von Kaufhof beginnt im Jahr 1879. Der damals 30-jährige Kaufmann Leonhard Tietz eröffnet in Stralsund ein kleines Textilgeschäft mit einer Verkaufsfläche von gerade einmal 25 Quadratmetern.
Sein Geschäftskonzept ist für die damalige Zeit ausgesprochen modern. Während es vielerorts noch üblich ist, Preise individuell auszuhandeln, setzt Tietz auf feste Verkaufspreise. Außerdem verkauft er seine Waren gegen Barzahlung und ermöglicht den Kunden die Rückgabe gekaufter Artikel.
Das Konzept funktioniert. Bereits wenige Jahre später expandiert das Unternehmen und eröffnet weitere Geschäfte. 1889 entsteht eine Niederlassung in Elberfeld, dem heutigen Wuppertal, 1891 folgt Köln. Im Jahr 1897 wird der Unternehmenssitz schließlich nach Köln verlegt.
1905 erfolgt die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Aus dem kleinen Textilgeschäft ist mittlerweile ein bedeutendes Handelsunternehmen geworden.
Nach dem Tod des Firmengründers im Jahr 1914 übernimmt sein Sohn Alfred Leonhard Tietz eine führende Rolle im Unternehmen und setzt den Expansionskurs fort.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 beginnt jedoch ein dunkles Kapitel der Unternehmensgeschichte. Die jüdische Eigentümerfamilie Tietz wird im Zuge der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Enteignungspolitik aus dem Unternehmen gedrängt. Der Konzern wird unter dem Namen Westdeutsche Kaufhof AG weitergeführt.
Während des Zweiten Weltkriegs werden zahlreiche Warenhäuser beschädigt oder vollständig zerstört. Nach Kriegsende steht Kaufhof deshalb vor einem gewaltigen Wiederaufbau.
2. Wirtschaftswunder und Expansion: Kaufhof wird zur festen Größe (1945–1990)

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Bundesrepublik beginnt für Kaufhof eine neue Erfolgsphase.
Die Menschen verfügen über zunehmend mehr Geld, der Konsum steigt und das Warenhaus entwickelt sich zu einem beliebten Einkaufsort. Unter einem Dach finden Kunden nahezu alles, was sie für den täglichen Bedarf oder besondere Anlässe benötigen.
1953 setzt sich der Name Kaufhof AG durch. In den folgenden Jahrzehnten entstehen zahlreiche neue Warenhäuser, viele davon an zentralen Standorten deutscher Groß- und Mittelstädte.
Besonders in den 1960er- und 1970er-Jahren wächst der Konzern stark. Moderne Gebäude, große Schaufensterfronten und umfangreiche Warenangebote prägen das Erscheinungsbild. Das Warenhaus wird zu einem Symbol des Wirtschaftswunders.
Kaufhof gehört nun neben Karstadt, Hertie und Horten zu den bedeutendsten Warenhausketten Deutschlands.
Im Jahr 1979, zum 100-jährigen Bestehen, erzielt der Kaufhof-Konzern bereits einen Jahresumsatz von rund 7,4 Milliarden D-Mark.
Doch ab den 1980er-Jahren verändern sich die Bedingungen im Einzelhandel. Einkaufszentren außerhalb der Innenstädte, spezialisierte Fachmärkte und neue Handelskonzepte gewinnen an Bedeutung. Das klassische Warenhaus bekommt zunehmend Konkurrenz.
Damit beginnt ein Strukturwandel, der die gesamte Branche in den kommenden Jahrzehnten grundlegend verändern wird.
3. Übernahmen und neue Konkurrenz: Aus Kaufhof wird Galeria Kaufhof (1990–2018)
1990er-Jahren kommt es zu einer umfassenden Neuordnung des deutschen Warenhausmarktes.
1994 übernimmt Kaufhof seinen Konkurrenten Horten. Zahlreiche ehemalige Horten-Warenhäuser werden in das Filialnetz integriert. Einige der traditionsreichen Gebäude erhalten anschließend das neue Galeria-Konzept, das stärker auf hochwertige Warenpräsentation, Markenartikel und ein modernes Einkaufserlebnis setzt.
Parallel übernimmt Karstadt die Hertie-Gruppe. Damit konzentriert sich der deutsche Warenhausmarkt zunehmend auf zwei große Wettbewerber: Kaufhof und Karstadt.
1996 wird Kaufhof in den Metro-Konzern integriert. Die Warenhäuser werden in den folgenden Jahren verstärkt unter der Marke Galeria Kaufhof geführt.
Doch die Herausforderungen nehmen weiter zu. Fachmarktketten und Textildiscounter gewinnen Marktanteile, während ab den 2000er-Jahren auch der Onlinehandel immer wichtiger wird.
Immer mehr Kunden kaufen Kleidung, Elektronik oder Haushaltswaren im Internet. Die großen Warenhäuser hingegen müssen weiterhin erhebliche Kosten für ihre weitläufigen Verkaufsflächen, die Gebäude und das Personal tragen.
Auch beim langjährigen Konkurrenten Karstadt verschärfen sich die wirtschaftlichen Probleme. 2009 muss dessen damaliger Mutterkonzern Arcandor Insolvenz anmelden. Karstadt überlebt, wird 2010 an den Investor Nicolas Berggruen verkauft und 2014 schließlich von der österreichischen Signa-Gruppe des Investors René Benko übernommen.
Bei Kaufhof kommt es 2015 ebenfalls zu einem bedeutenden Eigentümerwechsel. Die Metro-Gruppe verkauft Galeria Kaufhof an den kanadischen Handelskonzern Hudson’s Bay Company (HBC).
Doch auch unter dem neuen Eigentümer gelingt keine nachhaltige wirtschaftliche Stabilisierung.
2018 folgt schließlich ein Schritt, der die deutsche Warenhauslandschaft grundlegend verändert: Die beiden langjährigen Konkurrenten Karstadt und Kaufhof werden zusammengeführt.
4. Die große Fusion: Galeria Karstadt Kaufhof entsteht (2018–2019)
Im November 2018 beginnt die Zusammenführung von Karstadt und Galeria Kaufhof. Die Signa-Gruppe von René Benko erhält zunächst die Mehrheit am gemeinsamen Unternehmen, während die Hudson’s Bay Company beteiligt bleibt.
Ab März 2019 treten die beiden ehemaligen Konkurrenten unter dem gemeinsamen Namen Galeria Karstadt Kaufhof auf. Später übernimmt Signa auch die verbliebenen Anteile.
Die Hoffnung ist groß: Durch gemeinsame Einkaufsstrukturen, eine einheitliche Verwaltung und die Zusammenlegung verschiedener Unternehmensbereiche sollen erhebliche Kosten eingespart werden.
Insgesamt verfügt der neue Warenhauskonzern zeitweise über rund 170 Filialen. Mit einem Jahresumsatz von etwa 4,5 Milliarden Euro gehört er weiterhin zu den bedeutendsten Handelsunternehmen Deutschlands.
Doch die Fusion bringt auch Probleme mit sich. Zahlreiche Filialen befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft oder sogar in derselben Innenstadt. Gleichzeitig sind die Kostenstrukturen hoch und die wirtschaftliche Lage vieler Warenhäuser bereits angespannt.
Die Integration zweier traditionsreicher Unternehmen mit unterschiedlichen Strukturen ist kompliziert. Hinzu kommt, dass sich das Einkaufsverhalten der Kunden immer schneller verändert.
Noch bevor die Fusion ihre erhofften wirtschaftlichen Vorteile vollständig entfalten kann, trifft den Konzern eine Krise, die das gesamte Unternehmen erschüttert: die Corona-Pandemie.
5. Die erste Insolvenz 2020: Corona bringt den Konzern an den Abgrund
Im Frühjahr 2020 muss Galeria Karstadt Kaufhof infolge der Corona-Pandemie seine Warenhäuser vorübergehend schließen.
Für ein Unternehmen, das einen Großteil seiner Umsätze in stationären Geschäften erwirtschaftet, sind die Folgen dramatisch.
Während zahlreiche Onlinehändler von der Situation profitieren, brechen bei Galeria die Einnahmen nahezu vollständig weg. Zeitweise verliert der Konzern nach damaligen Angaben mehr als 80 Millionen Euro Umsatz pro Woche.
Bereits am 1. April 2020 beantragt Galeria Karstadt Kaufhof ein Schutzschirmverfahren. Dabei handelt es sich um ein besonderes Sanierungsverfahren im Rahmen des Insolvenzrechts, bei dem die bisherige Geschäftsführung unter gerichtlicher Aufsicht weiterarbeiten kann.
Ziel ist es, das Unternehmen zu sanieren und möglichst viele Arbeitsplätze und Filialen zu erhalten.
Doch der Preis dafür ist hoch.
Im Rahmen des Insolvenzplans wird beschlossen, zahlreiche Warenhäuser dauerhaft zu schließen. Etwa 40 Standorte sowie mehrere Karstadt-Sports-Filialen stehen vor dem Aus.
Für viele deutsche Innenstädte bedeutet dies den Verlust eines jahrzehntelang prägenden Geschäfts. Gleichzeitig verlieren Tausende Beschäftigte ihre Arbeitsplätze.
Auch die Gläubiger müssen erhebliche finanzielle Verluste hinnehmen. Sie verzichten auf Forderungen in Milliardenhöhe, um dem Unternehmen einen Neustart zu ermöglichen.
Ende September 2020 wird das Insolvenzverfahren aufgehoben. Knapp 130 Warenhäuser bleiben erhalten.
Doch bereits damals stellt sich die Frage, ob die Einsparungen tatsächlich ausreichen, um den Konzern langfristig wieder profitabel zu machen.
6. Staatliche Hilfen und neue Hoffnung (2021–2022)
Nach der ersten Insolvenz versucht Galeria Karstadt Kaufhof, das Geschäft neu auszurichten.
Die verbliebenen Warenhäuser sollen modernisiert, das Sortiment überarbeitet und die wirtschaftlichen Strukturen verbessert werden.
Allerdings dauern die Auswirkungen der Corona-Pandemie an. Weitere Einschränkungen im Einzelhandel, ein verändertes Konsumverhalten und die weiterhin hohen Betriebskosten erschweren die Sanierung.
Um den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren, erhält Galeria finanzielle Unterstützung aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes.
Im Januar 2021 wird eine staatliche Hilfe von 460 Millionen Euro zugesagt. Anfang 2022 folgen weitere 220 Millionen Euro. Insgesamt summieren sich die Hilfen damit auf 680 Millionen Euro.
Die staatliche Unterstützung ist umstritten. Einerseits sollen Arbeitsplätze und die Bedeutung der Warenhäuser für die Innenstädte erhalten bleiben. Andererseits bestehen erhebliche Zweifel daran, ob das Geschäftsmodell dauerhaft wirtschaftlich tragfähig ist.
2022 kündigt das Unternehmen außerdem an, die traditionellen Namen Karstadt und Kaufhof künftig stärker in den Hintergrund treten zu lassen. Alle Warenhäuser sollen einheitlich unter der Marke Galeria auftreten.
Doch die wirtschaftlichen Probleme bleiben bestehen.
Neben den Folgen der Pandemie belasten nun auch steigende Energiepreise, die Inflation und eine zunehmende Kaufzurückhaltung die Warenhauskette.
Nur zwei Jahre nach dem ersten Insolvenzverfahren steht Galeria erneut vor dem Zusammenbruch.
7. Die zweite Insolvenz 2022: Ein erneuter Kahlschlag im Filialnetz
Am 31. Oktober 2022 beantragt Galeria Karstadt Kaufhof erneut ein Schutzschirmverfahren.
Damit muss sich der Konzern innerhalb von nur zweieinhalb Jahren bereits zum zweiten Mal unter den Schutz des Insolvenzrechts stellen.
Die Unternehmensführung begründet diesen Schritt unter anderem mit den stark gestiegenen Energiepreisen, der Inflation und der sinkenden Kaufbereitschaft der Verbraucher.
Doch auch grundlegende Probleme des Warenhauskonzepts bestehen weiterhin.
Am 1. Februar 2023 wird das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Wieder wird ein umfassender Sanierungsplan erarbeitet.
Die Konsequenzen sind erneut drastisch.
Von den zu diesem Zeitpunkt noch 129 Warenhäusern sollen zunächst zahlreiche Standorte geschlossen werden. Die ursprünglichen Planungen werden mehrfach verändert. Letztlich reduziert sich das Filialnetz auf 92 Häuser.
Besonders betroffen sind mittelgroße Städte, in denen Galeria teilweise zu den wichtigsten Einzelhandelsunternehmen der Innenstadt gehört.
Mit jeder Schließung gehen nicht nur Arbeitsplätze verloren. Auch die Attraktivität vieler Innenstädte leidet, da große Warenhausimmobilien häufig nur schwer einen neuen Nutzer finden.
Wieder verzichten Gläubiger auf Forderungen in Milliardenhöhe. Die Mitarbeiter müssen weitere Einschnitte hinnehmen und die verbleibenden Filialen sollen wirtschaftlich neu aufgestellt werden.
Im Sommer 2023 wird das Insolvenzverfahren beendet.
Nach außen präsentiert sich Galeria erneut als saniertes Unternehmen. Doch hinter den Kulissen zeichnet sich bereits die nächste Krise ab – diesmal beim Eigentümer selbst.
8. Der Zusammenbruch der Signa-Gruppe und die dritte Insolvenz 2024
Im Laufe des Jahres 2023 geraten immer mehr Unternehmen aus dem Immobilien- und Handelsimperium des österreichischen Investors René Benko in finanzielle Schwierigkeiten.
Seine Signa-Gruppe hatte in den vergangenen Jahren zahlreiche bedeutende Immobilien erworben und war auch Eigentümerin von Galeria Karstadt Kaufhof.
Ende November 2023 meldet die Signa Holding Insolvenz an. In den folgenden Wochen geraten weitere Unternehmen der Gruppe in Schwierigkeiten.
Für Galeria hat diese Entwicklung schwerwiegende Folgen.
Der Warenhauskonzern ist auf finanzielle Unterstützung seines Eigentümers angewiesen. Durch die Insolvenz der Signa-Gruppe fällt diese Perspektive weg. Hinzu kommen komplizierte wirtschaftliche Verflechtungen zwischen Warenhausbetrieb und Immobiliengesellschaften.
Am 9. Januar 2024 stellt Galeria Karstadt Kaufhof deshalb erneut einen Insolvenzantrag.
Es ist bereits die dritte Insolvenz innerhalb von weniger als vier Jahren.
Zu diesem Zeitpunkt betreibt das Unternehmen noch 92 Warenhäuser und beschäftigt rund 12.800 Menschen.
Erneut beginnt die Suche nach Investoren. Im April 2024 wird bekannt, dass ein Konsortium aus der US-Investmentgesellschaft NRDC und der Beteiligungsgesellschaft des Unternehmers Bernd Beetz den Konzern übernehmen will.
Zunächst stehen 16 Filialen zur Schließung an. Nach Verhandlungen mit Vermietern und anderen Beteiligten können jedoch mehrere Standorte gerettet werden. Am Ende werden neun Warenhäuser geschlossen.
Mit Wirkung zum 1. August 2024 wird das Insolvenzverfahren aufgehoben. Die neuen Eigentümer übernehmen das Unternehmen.
Damit endet zugleich ein bedeutendes Kapitel deutscher Einzelhandelsgeschichte.
Die traditionsreichen Namen Karstadt und Kaufhof verschwinden endgültig aus dem offiziellen Firmennamen. Das Unternehmen heißt fortan nur noch Galeria.
Auch der Unternehmenssitz wird von Essen nach Düsseldorf verlegt.
Nach drei Insolvenzen in vier Jahren soll nun ein endgültiger Neustart gelingen.
9. Der Neustart scheitert: Die vierte Insolvenz im Oktober 2026
Nach der Übernahme im Sommer 2024 soll Galeria endlich wieder in ruhigere Fahrwasser gelangen.
Die neuen Eigentümer setzen auf eine Verschlankung der Unternehmensstrukturen, ein überarbeitetes Warenangebot und die Konzentration auf wirtschaftlich tragfähige Standorte.
Nach den zahlreichen Schließungen der vergangenen Jahre verfügt das Unternehmen nur noch über 83 Warenhäuser. Trotzdem bleibt Galeria die letzte große, bundesweit vertretene Warenhauskette Deutschlands.
Zunächst scheint sich die Situation zu stabilisieren. Doch im Frühjahr 2026 werden erneut finanzielle Schwierigkeiten bekannt.
Im April berichten mehrere Vermieter über ausbleibende Mietzahlungen. Die Geschäftsführung räumt Liquiditätsschwankungen ein und erklärt, mit Vermietern über Zahlungsaufschübe zu sprechen.
Im Juni 2026 erhält Galeria schließlich eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro durch die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers.
Das Geld soll unter anderem zur Ablösung bestehender Kredite und zur Begleichung offener Mietforderungen verwendet werden. Die Finanzierung ist an einen mehrjährigen Sanierungsplan gebunden.
Doch die Probleme lassen sich damit offenbar nicht lösen.
Im Juli 2026 kündigt Galeria an, 33 seiner Warenhäuser auf den Prüfstand zu stellen. Damit steht erneut ein erheblicher Teil des verbliebenen Filialnetzes zur Diskussion.
Am 2. Oktober 2026 folgt schließlich die nächste Hiobsbotschaft:
Galeria stellt zum vierten Mal innerhalb von sechs Jahren einen Insolvenzantrag.
Für rund 12.000 Beschäftigte beginnt damit erneut eine Zeit großer Unsicherheit.
Besonders bemerkenswert ist, dass die vierte Insolvenz nicht mehr unter der Verantwortung der früheren Signa-Gruppe stattfindet. Auch nach dem Eigentümerwechsel und mehreren umfangreichen Sanierungen gelingt es offenbar nicht, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten dauerhaft zu überwinden.
Die neuerliche Insolvenz macht deutlich, wie tiefgreifend die Probleme des Unternehmens inzwischen sind.
Ob sämtliche verbliebenen Warenhäuser weiterbetrieben werden können oder erneut Standorte schließen müssen, ist zum Zeitpunkt der Insolvenzanmeldung noch offen.
10. Warum scheitert Galeria immer wieder?
Die vier Insolvenzen lassen sich nicht auf einen einzigen Auslöser zurückführen. Vielmehr treffen bei Galeria verschiedene Probleme aufeinander, die sich über Jahrzehnte aufgebaut haben.
Ein entscheidender Faktor ist der Strukturwandel im deutschen Einzelhandel. Während Kaufhof in den 1960er- und 1970er-Jahren noch vom Konzept profitierte, möglichst viele unterschiedliche Waren unter einem Dach anzubieten, hat sich das Einkaufsverhalten inzwischen grundlegend verändert.
Bekleidung wird zunehmend bei spezialisierten Modeketten oder online gekauft. Elektronikmärkte, Drogerieketten und große Onlineplattformen haben weitere Sortimentsbereiche übernommen, die früher zu den Stärken klassischer Warenhäuser gehörten.
Gleichzeitig verursachen die oftmals riesigen Immobilien hohe laufende Kosten. Große Verkaufsflächen müssen beheizt, beleuchtet, gereinigt und mit Personal besetzt werden – unabhängig davon, wie viele Kunden tatsächlich einkaufen.
Hinzu kommen teilweise hohe Mietbelastungen, die schwierige Integration von Karstadt und Kaufhof sowie die wirtschaftlichen Verflechtungen mit früheren Eigentümern.
Die Corona-Pandemie beschleunigte die Krise ab 2020 erheblich. Die späteren Preissteigerungen und die Kaufzurückhaltung vieler Verbraucher erschwerten die Erholung zusätzlich.
Ein weiteres Problem: Mit jeder Insolvenz und jeder Filialschließung wird das Unternehmen kleiner. Zwar können dadurch Kosten eingespart werden, gleichzeitig sinken aber auch die Umsätze und möglicherweise die Vorteile, die ein großer Handelskonzern beim Einkauf und bei der Warenverteilung besitzt.
Die entscheidende Frage lautet deshalb, ob ein bundesweites Warenhausunternehmen in seiner bisherigen Form überhaupt noch wirtschaftlich betrieben werden kann – oder ob dafür ein grundlegend anderes Geschäftsmodell notwendig wäre.
11. Das Ende einer Ära? Die Zukunft von Galeria
Fast 150 Jahre nach der Eröffnung des ersten Geschäfts von Leonhard Tietz steht das Unternehmen erneut vor einer ungewissen Zukunft.
Aus dem einstigen Kaufhof-Konzern, der gemeinsam mit Karstadt jahrzehntelang das Bild deutscher Innenstädte prägte, ist ein deutlich kleineres Handelsunternehmen geworden.
Die zahlreichen Insolvenzen haben tiefe Spuren hinterlassen. Traditionsreiche Standorte sind verschwunden, Tausende Arbeitsplätze wurden abgebaut und viele ehemalige Warenhäuser stehen heute vor einer schwierigen Nachnutzung.
Für zahlreiche Städte bedeutet die Schließung eines Kaufhauses weit mehr als den Verlust eines einzelnen Geschäfts. Große Warenhäuser waren über Jahrzehnte wichtige Besuchermagneten, von denen auch kleinere Einzelhändler, Gastronomiebetriebe und andere Dienstleister profitierten.
Die Geschichte von Kaufhof und Galeria steht damit beispielhaft für den Wandel des deutschen Einzelhandels.
Was 1879 mit einem kleinen Geschäft für Stoffe und Garne begann, entwickelte sich zu einem Milliardenkonzern, der über Generationen hinweg den Einkaufsalltag vieler Menschen bestimmte.
Doch die Erfolge der Vergangenheit konnten das Unternehmen nicht vor den Herausforderungen der Gegenwart schützen.
Vier Insolvenzen innerhalb von sechs Jahren zeigen, wie schwierig es geworden ist, das traditionelle Warenhauskonzept wirtschaftlich erfolgreich fortzuführen.
Ob Galeria auch diese vierte Insolvenz übersteht und in welcher Form das Unternehmen anschließend weiterexistieren kann, bleibt abzuwarten.
Eines steht jedoch fest: Unabhängig davon, wie die Geschichte weitergeht, haben Kaufhof, Karstadt und später Galeria die deutsche Einzelhandelslandschaft über mehr als ein Jahrhundert entscheidend mitgeprägt.
Redaktioneller Stand: 25. Oktober 2026. Die vierte Insolvenz ist noch nicht abgeschlossen.

